Privatuniversität Linz – Anton Bruckner Universität

< zurück [ Drucken ]
  • projectImage
  • projectImage
  • projectImage

Ort

Linz

Status

Wettbewerb | europaweit offen

Auftraggeber

Amt der oö. Landesregierung

Umfang

Wettbewerb

Umsetzung

Wettbewerb 2008

Beschreibung

Städtebau

 

Das Projekt der Anton Bruckner Privatuniversität entwickelt sich aus dem lokalen Umfeld. In Form einer freien Komposition aus zwei sich aus einem Sockel entwickelnden Einzelbaukörpern entsteht ein städtebauliches Ensemble von einprägsamer Identität.

Die aufragenden Bauteile dieser artifiziellen Landschaft bilden massstäbliche Hochpunkte und Gliederungen des Stadtraumes. Durch die Ausbildung der Baukörper entstehen in einem freien Spiel mit der topographischen Situation neue, differenzierte Platzbereiche und Blickkanäle (Vorplatz, begehbarer Sockel...).

Als logische Entwicklung aus der stadträumlichen Situation erfolgt die Erschliessung über einen grosszügig dimensionierten, architektonisch durch eine Rampe sowie flankierende Baukörper akzentuierten Vorplatz in der westlichen Strassenkurve.

Der Freiraum des Vorplatzes zieht sich in Form einer begeh- und nutzbaren Fläche über den Sockelbau, durch die Randbebauungen im Nordosten und Südwesten gefasst.

Die „Baumgruppe“ mit unterschiedlicher Zusammensetzung als charakteristisches Landschaftselement vor Ort wird in das Konzept übertragen und stellt ein Verbindungselement zur umgebenden Landschaft her.

Gemischte Baumgruppen setzen Akzente, spenden Schatten, gliedern befestigte Flächen, fassen den Raum, markieren Orte des stärkeren Geschehens.

Der Platz wird durch die Geometrie der Architektur definiert. Baumgruppen von Schmalblättriger Esche - Fraxinus angustifolia, Föhre - Pinus sylvestris und Schwarzerle - Alnus glutinosa bilden im Verlauf der Jahreszeiten  ein abwechslungsreiches Bild und schattige Bereiche für die Sitzelemente.

Kandalaberleuchten, die bis in den Kronenbereich der Bäume reichen, bieten bei Dunkelheit Orientierung.

Ein geschlossenes Gehölzband entlang der Hagenstrasse stellt einen ortstypischen Übergang zwischen Strasse und Bebauung her, erst im Bereich des Platzes öffnet es sich.

Die Wiese wird bewusst offen gehalten, um die Sichtbeziehungen zum Wald als ortsprägendes Landschaftselement zu erhalten bzw. zu verbessern.

Die Dachterrasse des begehbaren Sockels bietet Raum für Erholung und Studium. Der Blick in die Landschaft ist einmalig.


Erschliessungskonzept / Funktionelle Lösung

 

Die architektonische Organisation entwickelt sich aus den funktionellen Anforderungen des Gesamtgebäudes sowie der einzelnen Nutzungsbereiche.

Die Eingangsebene im Sockelbereich, die offen und transparent gestaltet ist und wichtige allgemeine Funktionen, wie Bibliothek, Restaurant und Theoriebereiche enthält übernimmt dabei die Verteilerfunktion.

Von hier aus werden die jeweiligen Funktionsbereiche erschlossen. Zum einen die Bereiche für Instrumentalmusik und Verwaltung in je einem eigenen Baukörper, zum anderen der Veranstaltungsbereich, EMP, ACT und IDA im Untergeschoss.

Diese Funktionsbereiche sind jeweils um eigene, Identität stiftende und von oben belichtete Innenhöfe angeordnet und durch ein doppelt geführtes Gangsystem („extern“ sowie „intern“ mit Service- und Garderobenbereichen) miteinander vernetzt.


Architektonische Lösung


Massive Stahlbetonscheiben und -platten, welche die Effizienz des Werkstoffes Beton sowohl in statischer als auch bauphysikalischer Hinsicht ausnutzen, bilden die Tragstruktur.

Die Wand- und Deckenflächen der verschiedenen Bereiche sind differenziert gestaltet, die Säle gleichsam als begehbare Möbel ausgebildet und mit Sperrholzplatten je nach  akustischen Anforderungen bekleidet bzw. neutral bespielbar als Black Box.

Die Erschliessungsflächen sind in einer homogenen Linie materialisiert. Die Differenzierung unterschiedlicher Bereiche erfolgt durch die Ausformulierung der Räume sowie differenziert ausgearbeitete Lichtsituationen.

Somit entstehen überraschende und atmosphärisch dichte Raumerlebnisse. Durch die Wahrnehmung tages- und jahreszeitlich wechselnder Phänomene wird die Beziehung zwischen Architektur und Inhalt, Innen- und Aussenraum auf vielfältige Weise intensiviert.

Die Gebäudestruktur selbst ist in ökonomischer Weise optimiert:

Ein durchgehender Stützenraster, Flachdecken, aussteifende Stiegenhauskerne und Scheiben ermöglichen die Anpassung des Gebäudes an geänderte Rahmenbedingungen.

Abgehängte Decken werden weitestgehend vermieden, um die Eigenschaften des Baumaterials Beton als Speichermasse für angenehmes und ausgeglichenes Raumklima zu nutzen.


Energietechnische Lösung


Der durch den bautechnischen Standard geringe Wärme- und Kühlbedarf wird über eine mit Erdwärme (Erdsonden) betriebene Wärmepumpenanlage abgedeckt. 

Die wechselseitige Verwendung der Erdsonden zum Heizen und Kühlen führt zu optimalen Untergrundtemperaturen über den Jahresverlauf gesehen. 

Zur Heizungsunterstützung dienen die Solarpaneele an der Fassade. Die Grundlast wird über die bauteilaktivierten Betondecken eingebracht. Dies ermöglicht eine optimale Nutzung der Sonnenenergie. Wo notwendig, werden als Heiz- und Kühlflächen an der Decke oder im Estrich verlegte Rohrregister verwendet.

Der geforderte HWB von 2,5 kWh/m3 wird mit 7 kWh/m2 = 2,33 kWh/m3 eingehalten. Der geforderte jährliche ausseninduzierte KB von 0,5 kWh/m3 kann mit der geplanten Gebäudehülle ebenfalls eingehalten werden. Die Spitzenkühllast beträgt 60 kW, die durchschnittliche Kühllast 30% der Spitzenlast bei 1800 Stunden/a. Das ergibt einen KB von 18 x 1800 = 32.400 kWh/a, entsprechend 0,42 kWh/(m3a).

Um den Energieverbrauch niedrig zu halten, wird das Gebäude mit einer kontrollierten Be- und Entlüftung, die einen 2fachen Luftwechsel aufweist, ausgestattet.  Die Wärmerückgewinnung (86%) erfolgt über Rotationstauscher, um optimale klimatische Bedingungen zu erreichen. Mit dieser Technik kann der Heizenergieverbrauch unter die geforderten 10 W/(m2a) auf 7 W/(m2a) reduziert werden.

Im Sommer wird das Gebäude über die kontrollierte Be- und Entlüftung nachts mittels  Freecoolingbetrieb zum Nulltarif vorgekühlt. Das Atrium im Westtrakt wird im Sommer über temperaturdifferenzgesteuerte Dachfenster belüftet und so bis in die Mittagsstunden natürlich gekühlt.